Blumen

Der Blumenhändler an der Ecke ist einer der nettesten Menschen der Welt, glaube ich. Ich betrete von Zeit zu Zeit den Laden. Alles ist vollgestellt mit zusammengewürfelten Vasen voller Pflanzen. Viel mehr als er jemals an einem Tag verkaufen könnte. Manche sind schon ein bisschen welk deswegen. Er fragt mich nie, welche ich möchte, er fragt immer, für wen der Strauß sein soll. Ich antworte und sage, was ich zahlen möchte. Ihm ist das egal. Der Blumenmann stellt das zusammen, das er für passend erachtet. Er lässt sich sehr viel Zeit. Er überlegt genau und wandert langsamen Schrittes durch das winzige Ladengeschäft. Er denkt nicht über den Preis nach, er verlangt immer zu wenig Geld. Diese muss auch noch hinein, sagt er immer, die schenke ich dir. Am Ende ist er jedes Mal zufrieden mit seiner Arbeit und wickelt den Strauß vorsichtig ein, auch wenn ich nur drei Minuten zu Fuß nach Hause gehen muss. Manchmal schenkt er mir noch ein paar Rosen oder Nelken mit hängenden Köpfen. Um die Theke herum hängen Steckbriefe verschiedener Blumen, die er von Hand auf altes Packpapier geschrieben hat. Irgendwie sieht er immer ein bisschen traurig aus.
Letztens war ich wieder im Laden. Der Blumenmann hatte am Sonntag Geburtstag, das Datum hatte er mir im letzten Jahr verraten. Er hatte sein erstes Blumengeschäft an seinem 18. Geburtstag eröffnet (am 5. Mai 2023 war das genau 50 Jahre her). Als ich ihm am Montag eine kleine Tüte mit Trüffeln vorbei brachte, nahm er mich in seine Arme und schüttelte mir dann sehr lange die Hände. Seine waren ganz kühl und noch ein bisschen feucht von den Stängeln, die er vorher zusammengebunden hatte. Im nächsten Jahr wird er schon 70. Manchmal wüsste ich gerne, wie er eigentlich heißt.

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