Im 13. Stock bin ich der Welt ausgesetzt. Der kleinen Welt in meinen Büchern und in meinem Computer. Der kleinen Welt der Meinungsstreits und Auslegungsmethoden.
Ich sehe die große Welt durch die Fenster. Wenn das Wetter gut ist, ist die große Welt bis hinter das Stadtgebiet sichtbar. Sie ist nur eine 15 sekündige Fahrstuhlfahrt entfernt.
Manchmal ist das Wetter schlecht und dann ist es so, als gäbe es die große Welt nicht mehr. Dann vernebeln die Scheiben, alles wird düster. Wenn das passiert, kommt es manchmal vor, dass wir hier von unseren Büchern aufschauen müssen. Manche Menschen treten an die Fenster. Es wird leise gesprochen. Wir lauschen gemeinsam dem Donner und wundern uns, wie die Stimmen der anderen klingen, die wir jeden Tag sehen, aber von denen wir sonst nur das Geräusch der Finger auf den Tasten kennen. Nach einigen Minuten haben alle genug gesehen und setzen sich zurück an ihre Plätze. Dann wird es in der kleinen Welt wieder ganz still.
Kategorie: Sammlung
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Im 13. Stock